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Lebensraum Stadt 


Weshalb zieht es Wildtiere in Städte und Dörfer? Ganz einfach - weil sie hier alles finden, was sie brauchen: Nahrung, Nistmöglichkeiten und Artgenossen. Sie fühlen sich hier dementsprechend wohl.

Das Nahrungsangebot ist in den meisten Ortschaften sehr groß. Neben zahlreichen pflanzlichen Nahrungsquellen bietet der Siedlungsbereich auch viel tierische Nahrung. Unter gut bewässerten Rasenflächen und Beeten finden sich eine Vielzahl von Engerlingen und Schnecken. Mäuse und Ratten sind in Ortschaften häufig. Für Wildtiere sehr leicht verfügbare Nahrungsquellen stellt der Mensch bereit: Komposthaufen, unachtsam weggeworfene Essensreste, zugängliche Mülleimer und Katzenfutter auf Terrassen, machen Städte und Dörfer zum Schlaraffenland für Wildtiere.

Im Siedlungsbereich finden sich sehr vielfältige Strukturen, die Wildtiere als Unterschlupf- und Nistmöglichkeiten nutzen können. Dazu zählen z. B. Hecken, alte Parkbäume, Ritzen und Nischen an Gebäuden und Mauern, Hohlräume unter Garagen und Gartenhäuschen, sowie verwilderte Gärten. Aufgrund der Abwärme von Gebäuden und Verbrennungsmotoren herrschen in Städten Temperaturen, die in Großstädten 6-12°C höher liegen können als im Umland. [1] Davon profitieren auch Wildtiere, vor allem im Winter.

Nilgans vor Schaufenster © Rainer Pipping

Foto: Nilgans vor Schaufenster © Rainer Pipping

Aufgrund der guten Lebensbedingungen in Städten und Dörfern treten einige Wildtierarten hier in höheren Dichten auf als im ländlichen Bereich. Während auf dem Land auf einem Quadratkilometer durchschnittlich 0,2 Füchse leben, finden sich im städtischen Bereich im Schnitt ca. 13 Füchse auf der gleichen Fläche. [2]

Im Siedlungsraum gibt es auch einige Gefahren für Wildtiere. Der Straßenverkehr kann vielen Wildtieren zum Verhängnis werden. Einige Arten, wie beispielsweise der Coyote in Nordamerika, werden  dabei beobachtet, wie sie sich zunehmend an den Straßenverkehr anpassen. [3] Auch gegenüber künstlichem Licht in der Stadt und der starken Lärmbelastung haben Wildtiere Anpassungsstrategien entwickelt. Einige Singvogelarten fangen beispielsweise in der Stadt früher am Morgen an zu singen als im Umland. [4]
Im Siedlungsbereich sind Böden oft mit Schadstoffen belastet. Über die Nahrungskette nehmen Wildtiere diese Stoffe auf, was zu einer stärkeren Anfälligkeit gegenüber Krankheiten führen kann. Ähnliches gilt für verschiedene Giftstoffe und unachtsam ausgebrachtes Rattengift, welches auch andere Wildtiere direkt tötet. [5]


Quellenangaben

[1] Kaye, J.P., P. M. Groffmann, N. B. Grimm, L. A. Baker, R. V. Pouyat (2006): A distinct urban geochemistry? Trends in Ecology and Evolution, 21:192-199. DOI: 10.1016/j.tree.2005.12.006

[2] Salek et al (2015) Changes in home range sizes and population densities of carnivore species along the natural to urban habitat gradient. Mammal Review, 45:1-15. DOI:10.1111/mam.12027

[3] http://urbancoyoteresearch.com/coyote-story/coyote-1-schaumburg-female

[4] Arroyo Solis A., J. M. Castillo, E. Figueroa, J. L. Lopez-Sanchez, H. Slabbekoorn (2013): Experimental evidence for an impact of anthropogenic noise on dawn chorus timing in urban birds. Journal of Avian Biology, 44/3:288-296. DOI:10.1111/j.1600-048X.2012.05796.x

[5] http://www.urbancarnivores.com/poisons/

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© 2017 Professur für Wildtierökologie und Wildtiermanagement, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i.Br.

www.wildlife.uni-freiburg.de

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