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Steckbrief Sonstige Tierarten

Sonstige Tierarten

Lange Zeit hatten Fledermäuse einen schlechten Ruf. Da sie hauptsächlich nachts unterwegs sind und dem Menschen so meist verborgen bleiben, erschienen sie vielen als unheimlich und angsteinflößend. Ihre schnellen Flugmanöver und ihre Fähigkeit sich in der Dunkelheit zu orientieren, erscheinen ebenfalls mystisch. Zu dem negativen Image haben sicher auch die Geschichten über blutsaugende Vampire in Fledermausgestalt beigetragen.

Tatsächlich jedoch ernähren sich unsere heimischen Fledermäuse ausschließlich von Insekten und anderen Gliedertieren [1], womit sie dem Menschen sogar einen Dienst erweisen. Außerdem sind die faszinierenden Tiere scheu und harmlos. Wer einmal erlebt hat, wie die kleinen Flugakrobaten an einem warmen Sommerabend ihre Manöver vollführen, wird das so schnell nicht vergessen und sie nun hoffentlich mit anderen Augen sehen.

Steckbrief in Deutschland heimischer Fledermäuse 

Klasse: Säugetiere
Ordnung: Fledertiere
Flügelspannweite: 20- 40 cm
Gewicht: 4- 35 g
Lebenserwartung: 3- 30 Jahre je nach Art
Nahrung: Insekten, Spinnen
Natürliche Feinde: Katzen, Eulen
Feinde im Siedlungsraum: Windenergieanlagen, Mensch
Paarungszeit: Spätsommer- Ende Herbst

Fledermäuse in Baden- Württemberg

In Baden- Württemberg sind bisher 24 Fledermausarten nachgewiesen. Von einigen Arten werden heute allerdings bestenfalls noch Einzeltiere gefunden. Hier vorkommende Arten sind:

Großer Abendsegler Nyctalus noctula, Kleiner Abendsegler Nyctalus leisleri, Große Bartfledermaus Myotis brandtii, Kleine Bartfledermaus Myotis mystacinus,
Bechsteinfledermaus Myotis bechsteinii, Breitflügelfledermaus Eptesicus serotinus, Fransenfledermaus Myotis nattereri, Große Hufeisennase Rhinolophus ferrumequinum, Kleine Hufeisennase Rhinolophus hipposideros, Langflügelfledermaus Miniopterus schreibersii, Braunes Langohr Plecotus auritus, Graues Langohr Plecotus austriacus, Großes Mausohr Myotis myotis, Mopsfledermaus Barbastella barbastellus, Mückenfledermaus Pipistrellus pygmaeus, Nordfledermaus Eptesicus nilssoni, Nymphenfledermaus Myotis alcathoe,  Rauhhautfledermaus Pipistrellus nathusii, Wasserfledermaus Myotis daubentonii, Weißrandfledermaus Pipistrellus kuhlii, Wimperfledermaus Myotis emarginatus, Zweifarbenfledermaus Vespertilio murinus, Zwergfledermaus Pipistrellus pipistrellus [2]

Lebensraum Land - Lebensraum Stadt

Der bevorzugte Lebensraum hängt von der jeweiligen Fledermausart ab. Alle Arten haben aber gemein, dass sie Quartiere benötigen, die ihnen vor ungünstigen Witterungseinflüssen sowie vor Feinden und ständigen Störungen Schutz bieten. Da sie sich keine eigenen Nester bauen, sind sie auf schon vorhandene Unterschlupfmöglichkeiten angewiesen. [3] Viele Arten suchen während des Sommers gerne Baumhöhlen oder Rindenspalten als Tages-/ Zwischen- oder Wochenstubenquartiere auf. Als Ersatz dienen für viele Arten wie Zwergfledermaus oder Mückenfledermaus Spaltenquartiere wie Holzfensterläden und Holzverkleidungen an Hauswänden. [1] Andere Arten wiederum beziehen meist Quartiere im menschlichen Siedlungsbereich. So bevorzugen das Große Mausohr, die Wimperfledermaus oder die Große Bartfledermaus ruhige, dunkle und warme Dachböden, um ihre Jungen aufzuziehen. Sie verstecken sich im Gebälk, hinter Ziegeln, in Mauernischen oder hängen frei in Sparrenfeldern. Kirchendachstühle und Glockentürme bieten eine Vielzahl von Unterschlupfmöglichkeiten und werden gerne aufgesucht. [1]

Ihren Winterschlaf verbringen viele Arten in Höhlen, Stollen, den Hohlräumen großer Brücken und in kühlen Kellern. [3]

Nahrung

Fledermäuse erjagen ihre Beute im Flug in freiem Luftraum, sammeln sie vom Blattwerk ab oder ergreifen sie nahe am Boden. [3] Dazu nutzen sie ihre Echoortung, mit der sie sehr starke, für das menschliche Ohr meist nicht hörbare Ultraschalllaute erzeugen, die sie durch das offene Maul oder die Nase abgeben. Die Schallwellen werden von Hindernissen in der Flugbahn zurückgeworfen und die Fledermäuse können anhand des Echos die Art sowie Entfernung und Richtung der Beute abschätzen. [1] [3]

Fortpflanzung und Aufzucht der Jungen

Die Paarung findet meist im Spätsommer bis zum Ende des Herbstes statt. Im Frühjahr sammeln sich die Weibchen und bilden kleine bis sehr große Gruppen, die "Wochenstuben" genannt werden. Die Geburten finden meist im Juni statt und in der Regel bekommt jedes Weibchen nur ein Junges pro Jahr. Dieses kommt nackt und blind auf die Welt und wird in den ersten Lebenstagen meist von der Mutter auf Jagdausflügen mitgetragen. Danach lässt das Muttertier das Junge während der Nahrungssuche alleine im Quartier zurück, bis es mit 3- 4 Wochen selbst erste Ausflüge unternimmt. [3]

Krankheiten

Fledermäuse können wie alle Wildtiere von allerlei Parasiten befallen und Träger von Krankheiten sein. Wichtig zu erwähnen ist hierbei das European Bat Lyssa Virus (EBLV), welches Tollwut auslöst, welche sich jedoch von der bekannten Fuchs- Tollwut unterscheidet. Die sogenannte Fledermaustollwut ist die einzige in Europa bekannte von Fledermäusen übertragene Zoonose, die zu Todesfällen beim Menschen führen kann. [4] [5] Die Übertragungswahrscheinlichkeit ist allerdings äußerst gering, zumal der Mensch von erkrankten Tieren auch nicht aktiv angegriffen wird. Zur Ansteckung kann es kommen, wenn man ein Tier aufnimmt und dann gebissen wird. Interessanterweise scheinen unter unseren heimischen Fledermausarten besonders die Breitflügelfledermäuse Träger des Virus zu sein. [5]

Fledermäuse sollten zum eigenen Schutz nur mit Handschuhen angefasst werden. So verhindern Sie die Übertragung von Krankheiten und außerdem können manche Arten recht kräftig zubeißen.

Ausgewählte Arten

Zwergfledermaus Pipistrellus pipistrellus

Kennzeichen: Spannweite 180- 240 cm, Kopf- Rumpf- Länge 36- 51 cm, Gewicht 3,5- 8 g
Lebensraum: vorwiegend Hausfledermaus; jedoch ebenso in Parks und Wäldern; im Sommer Spaltenquartiere (Bretterverschalungen, Fensterläden, Mauerspalten u.a.); im Winter in Kirchen, Felsspalten, Kellern
Jagd: Ausflug früh; 5- 20 Minuten nach Sonnenuntergang; Flug schnell und wendig
Nahrung: vorwiegend Mücken, kleine Käfer, Köcherfliegen, Schmetterlinge [3]

Breitflügelfledermaus Eptesicus serotinus

Kennzeichen: Spannweite 31,5- 38,1 cm, Kopf- Rumpf- Länge 6,3- 8,2 cm, Gewicht 14,4- 33,5 g
Lebensraum: Hausfledermaus vorwiegend im Flachland; Sommerquartiere häufig im Dachfirst unter Dachlatten und Balken, hinter Holzverschalungen; Winterquartiere in Höhlen, Stollen, Holzstapeln
Jagd: Ausflug 20- 30 Minuten nach Sonnenuntergang; langsamer Flug in 3- 5 m Höhe in großen Runden
Nahrung: Dungkäfer, Maikäfer, Maulwurfsgrillen, Laufkäfer [3]

Großes Mausohr Myotis myotis

Kennzeichen: Spannweite 35- 43 cm, Kopf- Rumpf- Länge 6,7- 7,9 cm, Gewicht 28- 40 g
Lebensraum: menschliche Siedlungen; lichte baumbestandene Landschaft; Sommerquartiere auf Dachböden, Kirchtürmen; Winterquartiere in Höhlen, Stollen, Kellern
Jagd: Ausflug 20- 30 Minuten nach Sonnenuntergang; langsamer Flug mit rudernden Flügelschlägen
Nahrung: Laufkäfer, Maulwurfsgrillen, Weberknechte, Skorpione [3]

Wimperfledermaus Myotis emarginatus

Kennzeichen: Spannweite 22- 24,5 cm, Kopf- Rumpf- Länge 4,1- 5,3 cm, Gewicht 7- 15 g
Lebensraum: Haus- und Höhlenfledermaus; Sommerquartiere auf warmen Dachböden, frei an Dachsparren oder First; Winterquartiere in Höhlen, Stollen, Kellern
Jagd: Ausflug 40- 45 Minuten nach Sonnenuntergang; wendiger Flug in 1- 5 m Höhe; auch über Wasser
Nahrung: Zweiflügler (Mücken), Schmetterlinge, Spinnen [3]

Warum sind unsere Fledermäuse gefährdet?

Alle Fledermäuse in Deutschland sind streng geschützt. Trotzdem sind in den letzten Jahren die Bestände dramatisch zurückgegangen. [1] Als Ursache wird das Zusammenspiel mehrerer Faktoren diskutiert:

  • Lebensraumverlust und Nahrungsmangel (Veränderung der Waldstrukturen, Entfernen von Feldkulturen, Monokulturen, Zerstörung von Feuchtgebieten, Bau von Windenergieparks u.a.)
  • Giftbelastung durch Insektengifte in der Nahrung
  • Zerstörung von Quartieren (Fällen hohler Bäume, Gebäudeabriss, Renovierung von Kirchen, Schließung von Höhlen und Stollen, Höhlentourismus u.a.) [1]

Tipps

Falls Sie eine verletzte Fledermaus gefunden haben oder Informationen zu Fledermäusen suchen, wenden Sie sich an die AG Fledermausschutz Baden-Württemberg e.V. . Dort finden Sie auch aktuelle Verbreitungskarten der einzelnen Fledermausarten.

Tipps zum Fledermausschutz am Haus finden Sie auf der Internetseite "Artenschutz am Haus"

Das Fledermaus Nottelefon ist unter dieser Nummer zu erreichen: 0179/ 4972995

Weitere Kontaktadressen und Ansprechpartner finden Sie auf der Seite der AG Fledermausschutz Baden- Württemberg e.V.


Quellenangabe

[1] LUBW Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden- Württemberg (2012) Fledermäuse- faszinierende Flugakrobaten. 3. überarb. Auflage, Karlsruhe

[2] AG Fledermausschutz Baden- Württemberg e.V. Verbreitungskarten http://www.agf-bw.de/ Zugriff: 12.10.2015

[3] Schober W, Grimmberger E (1998) Die Fledermäuse Europas- Kennen, Bestimmen, Schützen. 2. Auflage, Franckh- Kosmos Verlags- GmbH & Co., Stuttgart

[4] Johnson N, Vos A, Freuling C, Tordo N, Fooks AR, Müller T (2010) Human Rabies due to lyssavirus infection of bat origin. Veterinary Microbiology 142(3-4): 151- 159

[5] Müller T et al (2007) Epidemiology of bat rabies in Germany. Archives of Virology 152: 273- 288

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    Breitflügelfledermaus

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    Braunes Langohr im Kasten

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© 2017 Professur für Wildtierökologie und Wildtiermanagement, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i.Br.

www.wildlife.uni-freiburg.de

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