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Steckbrief Sonstige

Sonstige

Trotz ihres tiefen, heiseren "krra" zählt die schwarzgefiederte, metallisch schimmernde Saatkrähe zu den Singvögeln. In der Familie der Rabenvögel ist sie unter anderem mit Rabenkrähe, Kolkrabe, Elster und Tannenhäher verwandt. Gut von anderen Krähen zu unterscheiden ist die Saatkrähe anhand ihres unbefiederten, grau- weißen Schnabelansatzes.

Steckbrief

Lateinischer Name: Corvus frugilegus
Klasse: Vögel
Ordnung: Sperlingsvögel
Größe: 41- 49 cm
Flügelspannweite: 81- 94 cm
Gewicht: 400- 550 g
Lebenserwartung: 15- 20 Jahre
Nahrung: Sämereien, Eier, Vögel, kleine Säugetiere, Insekten, Früchte
Verbreitung: boreale und gemäßigte Zone, Steppen- und Wüstenzone, weit verbreitet in Europa, nicht in Nordskandinavien und Island
Lebensraum: offenes, mit Feldgehölzen bestandenes Acker- und Wiesenland, Tief- und Hügelland
Zugvogel: im Nordosten Zugvogel, Standvogel
Natürliche Feinde: Greifvögel, Rabenkrähe, Marder, Waschbär
Feinde im Siedlungsraum: Mensch
Brutzeit: März- Juni

Hier können Sie sich die Rufe einer Brutkolonie anhören:

Autor: Tembrock, Günter/ Tierstimmenarchiv Berlin

Verbreitung in Baden- Württemberg

In Baden- Württemberg ist die Saatkrähe vor allem in der Oberrheinebene zwischen Lörrach und Rastatt, sowie in Oberschwaben im Bereich der unteren Riss und der Riss- Aitrach- Platten verbreitet. [3] Der Bestand in Baden- Württemberg wird auf 3.000 bis 4.000 Brutpaare geschätzt und macht somit 9- 10% des deutschlandweiten Brutbestandes aus. Die größten Schlafplatzansammlungen sind in Karlsruhe und Mannheim zu finden, während rund ein Drittel des landesweiten Bestandes im Großraum Lahr anzutreffen ist. [4] Während die hier brütenden Krähen den Winter unter anderem im Südwesten Frankreichs verbringen, stoßen zwischen Ende Oktober und Ende Februar Zuzügler aus Nordosteuropa dazu. So kann man in Baden- Württemberg von einem Winterbestand mit 100.000 bis 430.000 Saatkrähen ausgehen. [5]

Lebensraum Land- Lebensraum Stadt

Als ursprünglicher Steppenvogel bevorzugt die Saatkrähe offene Landschaften mit wenigen Busch- oder Baumgruppen. Vorwiegend anzutreffen ist sie in ackerbaulich genutztem Kulturland mit Wiesen, Feldern und Weiden, wo der Boden weich ist und das Nahrungsangebot groß. [5]

Die Saatkrähe scheut die Nähe zum Menschen nicht und zieht sich zunehmend in menschliche Siedlungen. In vielen Städten stößt man auf Brutkolonien oder Schlafplätze, die in direkter Nachbarschaft zum Menschen, z.B. in Parkanlagen oder Straßenbäumen errichtet wurden. Im Winter dienen Abfall- und Mülldeponien sowie Lebensmittelreste in Straßen und Parks tausenden überwinternden Saatkrähen als Nahrungsquelle.

Nahrung

Saatkrähen sind Allesfresser, die sich überwiegend von Regenwürmern und Insekten ernähren. [1] Im Frühjahr während der Koloniegründung stehen vorwiegend Mäuse, Insektenlarven, Stalldünger und alte Maiskolben auf dem Speiseplan. Saatgut und Keimlinge spielen bei der Aussaat des Sommergetreides eine große Rolle, weiterhin werden auch Nüsse, Eicheln und Früchte verzehrt. [5] Die Nahrungssuche erfolgt oft in großen Schwärmen auf gepflügten Feldern und Weiden. [1] Der spitze, starke Schnabel dient als Universalwerkzeug und wird zum Graben, Stochern und Hacken verwendet.

Fortpflanzung und Aufzucht der Jungen

Im März wird mit dem Nestbau begonnen, wobei die Besetzung der Brutkolonien teilweise schon im Januar und Februar erfolgt. [5] Die lockeren Reisignester, die vor dem Laubaustrieb wie große Hexenbesen aussehen, werden meist in den Kronenschluss von Laubbäumen in Alleen oder Feldgehölzen errichtet. [1] Ende März bis Anfang April legen die Saatkrähen 2 bis 6 Eier, aus denen nach ca. 17 Tagen die Jungvögel schlüpfen. Nach 32- 35 Tagen verlassen diese dann das Nest und werden noch eine Zeit lang von den Altvögeln versorgt, ehe sie sich zu Jugendtrupps zusammenschließen.

Soziales Verhalten

Saatkrähen gelten als sehr intelligent und sozial. Sie leben in Kolonien mit bis zu 510 Brutpaaren [2] und halten den Kontakt zu ihrem Partner, indem sie intensiv über Rufe miteinander kommunizieren. [6] Saatkrähen leben monogam und so bleibt ein Krähenpaar oft mehrere Jahre zusammen. Nach dem Erreichen der Selbstständigkeit verbleiben junge Saatkrähen meist in derselben Brutkolonie.

Mensch und Saatkrähe

Saatkrähen haben wie auch ihre Verwandten, die Rabenkrähe oder der Kolkrabe, beim Menschen ein eher schlechtes Image. Die lauten, oft in großer Zahl auftretenden, schwarzgefiederten Vögel, wurden lange Zeit als Galgenvögel und Aasfresser verschrien und bejagt. Infolge von intensivierter Landwirtschaft und Bejagung stand die Saatkrähe Mitte des letzten Jahrhunderts in Baden- Württemberg kurz vor dem Aussterben. [4]

Die Krähenvögel lassen sich oft in großen Trupps auf Äckern und Feldern nieder und bedienen sich dort am Saatgut. Besonders frisch eingesäte Felder gelten als gefährdet, da die Vögel das keimende Saatkorn bevorzugen und dabei auch reihenweise junge Pflanzen ausreißen, um an dieses heranzukommen. [7] Oft vergessen wird, dass Saatkrähen in erster Linie Wiesenvögel sind, die sich vor allem von im Boden lebenden Wirbellosen und Agrarschädlingen [8] ernähren. Aufgrund der Intensivierung der Landwirtschaft und dem großflächigen Einsatz von Pestiziden, wird ihnen einen Teil ihrer Nahrungsgrundlage genommen, sodass sie notgedrungen auf Feldfrüchte und Saatgut ausweichen müssen.

In Städten sind die gefiederten Gesellen unbeliebt, da es im Umkreis ihrer Brutkolonien und Schlafplätze zu starken Verkotungen von Gehwegen und parkenden Autos kommen kann. Außerdem fühlen sich viele Menschen durch die typischen Lautäußerungen gestört, die besonders in den frühen Morgenstunden und am Abend zu hören sind. [4] Vor allem in der Nähe von Schulen und Krankenhäusern kann das zum Problem werden.

In vielen Städten und Gemeinden macht sich darum jetzt Widerstand breit. In Freiburg hat sich eine "Krähen- Taskforce" gebildet, die sich der Saatkrähenproblematik widmet. [9] Die Saatkrähe ist durch die EG- Vogelschutzrichtlinie und das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) besonders geschützt. Nach dem § 44 Abs. 1 des Bundesnaturschutzgesetzes ist es sowohl verboten, die Vögel selbst zu stören oder zu bejagen, als auch ihre Nester zu zerstören oder zu entfernen. Nur mit Ausnahmegenehmigungen der zuständigen Naturschutzbehörde dürfen im berechtigten Einzelfall Maßnahmen gegen die Saatkrähe ausgeführt werden.

Von einigen Kommunen, in denen besonders viele Krähen leben, wurden verschiedene Maßnahmen zur Vergrämung getestet. Oftmals ist der Erfolg nur von kurzer Dauer. Denn wenn beispielsweise eine Kolonie gestört wird, kommt es häufig zu einer Aufsplitterung in Teilkolonien, was zu einer Vervielfältigung der Probleme führt.

Die Stadt Lahr beschäftigt sich schon seit einigen Jahren mit dieser Problematik und hat damit begonnen, eine neue Lösungsmöglichkeit zu erproben, bei der die Saatkrähen durch eine Kombination von Störung und Anlockung an weniger problematische Standorte gelenkt werden sollen. So soll den Interessen von Mensch und Tier gerecht werden.

Wichtig ist es vor allem, den Vögeln die Lebensräume in den Außenbereichen von Siedlungen wieder attraktiver zu machen. Genügend geeignete Brutbäume in der freien Landschaft, die Erhaltung von Grünland und der Schutz vor Verfolgung, können dazu beitragen zu verhindern, dass die Krähen vermehrt in Städte und Ortschaften getrieben werden.

Tipps

Auf der Internetseite der Stadt Lahr erfahren Sie alles zum Saatkrähenprojekt und zu den Rechtlichen Grundlagen. Zur vertiefenden Information hat die Stadt eine Broschüre rund um die Saatkrähe veröffentlicht.

Die Veterinärbehörde der Stadt Freiburg hat beim Amt für öffentliche Ordnung eine Nummer (0761/ 201-4965) eingerichtet, über die Meldungen von Krähenproblemen gesammelt werden.

In dem Merkblatt der Staatlichen Naturschutzverwaltung Baden- Württemberg sind Hinweise für die landwirtschaftliche Praxis und Möglichkeiten zur Schadensverhütung aufgelistet.

Informationen zur Saatkrähe und auftretenden Problemen finden Sie ebenfalls in der Broschüre des Landesbund für Vogelschutz in Bayern e. V. (LBV)

Video aus Rheinland- Pfalz (OK- TV Ludwigshafen): https://www.youtube.com/watch?v=IV6OXpWiKDI


Quellenangabe

[1] Svensson L, Mullarney K, Zetterström D (1999) Der Kosmos Vogelführer- Alle Arten Europas, Nordafrikas und Vorderasiens, 2. Auflage 2011, Kosmos, Stuttgart

[2] Hölzinger J (1997) Die Vögel Baden- Württembergs Singvögel 2, Band 3 Singvögel, Ulmer, Stuttgart

[3] Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (2012) Innerörtliche Saatkrähen- Problematik in der Stadt Bühl (Baden), Drucksache 15/ 1443

[4] Stabsstelle Umwelt Lahr (2010) Saatkrähen in Lahr, Broschüre, Stadt Lahr

[5] Landesanstalt für Umweltschutz Baden- Württemberg Fachdienst Naturschutz. Die Saatkrähe- Hinweise für die landwirtschaftliche Praxis, Artenschutz Merkblatt 2

[6] Roskaft E, Espmark Y (1982) Vocal Communication by the Rook Corvus frugilegus during the Breeding Season. Scandinavian Journal of Ornithology 13(1): 38- 46.

[7] Kasprzykowski Z (2003) Habitat preferences of foraging Rooks Corvus frugilegus during the breeding period in the agricultural landscape of eastern Poland. Acta Ornithologica 38(1): 27- 31.

[8] Feare C J (1974) Ecological Studies of the Rook (Corvus frugilegus L.) in North- Eat Scotland. Damage and its Control. Journal of Applied Ecology 11(3): 897- 914.

[9] Badische Zeitung  Stadt lässt Krähennester entfernen, Freiburg  https://www.badische-zeitung.de/freiburg/kraehen-in-freiburg-taskforce-laesst-nester-entfernen--117607638.html

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© 2017 Professur für Wildtierökologie und Wildtiermanagement, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i.Br.

www.wildlife.uni-freiburg.de

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