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Steckbrief Reh

Reh

Lebensraum Land – Lebensraum Stadt

Rehe sind ursprünglich Waldrand- und Buschbewohner, denn sie benötigen zum einen geschützte Verstecke und zum anderen Lichtungen und Felder um dort zu fressen [2]. Heute gelten sie aber auch als Kulturfolger, da sie sich gut an verschiedene, menschliche Lebensraume anpassen können – und das nicht nur auf dem Land [3]. Seit einiger Zeit werden auch immer mehr Rehe im Siedlungsraum gesichtet, wenn dort genügend Grünflächen vorhanden sind. Das heißt, man findet sie vor allem in Randbereichen, wo es viele Parks oder Friedhöfe gibt oder Übergänge zum Wald [3].

Grundsätzlich sind Rehe Fluchttiere, die bei Gefahr mit schnellen Sprüngen Schutz im nächsten Dickicht aufsuchen. Sie lernen nicht so schnell wie beispielsweise Füchse oder Wildschweine, können jedoch mit etwas Erfahrung die Risiken, die für sie von Menschen ausgehen, abschätzen lernen. Das heißt, sie erkennen die menschlichen Verhaltensmuster (z.B. Spaziergangszeiten in Parks, Wegenutzung auf dem Land) und sind daher weniger scheu [3]. Interessant ist auch, dass es unter den Rehen große Unterschiede in den Verhaltensmustern gibt. Das Lernverhalten unterscheidet sich zwischen den Individuen.

Nahrung

Rehe sind Wiederkäuer und ernähren sich rein pflanzlich. Dabei wählen sie jedoch sehr stark aus, welche Pflanzen und Pflanzenteile sie zu sich nehmen, weshalb man sie auch als „Konzentrat-Selektierer“ bezeichnet. Sie fressen beispielsweise keine schwerverdaulichen Gräser, sondern die zwischen den Gräsern stehenden Wildkräuter [4]. In Parks und Kleingärten sind sie dafür bekannt, dass sie sich von Tulpen und Rosenblüten ernähren, sowie junge Triebe anknabbern.

Rehe sind tagaktiv und fressen am Tag zwischen 8 und 11 mal, dazwischen ruhen sie zum Wiederkauen [2].

Soziale Strukturen

Rehe leben nicht im Rudel, wie beispielsweise der Rothirsch. Im Herbst schließen sich einzelne Individuen jedoch zu sogenannten „Sprüngen“ zusammen, in denen sie sich den Winter über bewegen und Nahrungsplätze aufsuchen [4]. So sind die Tiere besser vor Gefahren geschützt. Die Sprünge lösen sich am Ende des Winters wieder auf und insbesondere die Rehböcke nehmen dann feste Gebiete ein, die sie gegenüber anderen Böcken verteidigen [2].

Fortpflanzung und Aufzucht der Jungen

Die Paarung von Rehbock (Männchen) und Ricke (Weibchen) findet im Hochsommer zwischen Juli und September statt. Bei den Ricken tritt jedoch zunächst eine „Keimruhe“ ein, bei der sich die befruchtete Eizelle bis zum Januar nicht weiterentwickelt [4]. Demnach kommen die 1 bis 2 Jungen (Kitze) gegen Mai und Juni des neuen Jahres zur Welt. In den darauffolgenden Wochen folgen die Kitze ihrer Mutter, bleiben jedoch in Deckung, während die Mutter Nahrung sucht. Diese kehrt immer wieder zum Säugen zurück. Nach etwa 4-6 Wochen begleiten die Kitze ihre Mutter dann zur Nahrungssuche [4]. Erst nach dem ersten Winter verlassen die Jungtiere die Mutter und wandern ab.

© 2018 Professur für Wildtierökologie und Wildtiermanagement, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i.Br.

www.wildlife.uni-freiburg.de

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