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Steckbrief Saatkrähe

Saatkrähe

Mensch und Saatkrähe

 

Saatkrähen haben wie auch ihre Verwandten, die Rabenkrähe oder der Kolkrabe, beim Menschen ein eher schlechtes Image. Die lauten, oft in großer Zahl auftretenden, schwarzgefiederten Vögel, wurden lange Zeit als Galgenvögel und Aasfresser verschrien und bejagt. Infolge von intensivierter Landwirtschaft und Bejagung stand die Saatkrähe Mitte des letzten Jahrhunderts in Baden- Württemberg kurz vor dem Aussterben. [4]

Die Krähenvögel lassen sich oft in großen Trupps auf Äckern und Feldern nieder und bedienen sich dort am Saatgut. Besonders frisch eingesäte Felder gelten als gefährdet, da die Vögel das keimende Saatkorn bevorzugen und dabei auch reihenweise junge Pflanzen ausreißen, um an dieses heranzukommen. [7] Oft vergessen wird, dass Saatkrähen in erster Linie Wiesenvögel sind, die sich vor allem von im Boden lebenden Wirbellosen und Agrarschädlingen [8] ernähren. Aufgrund der Intensivierung der Landwirtschaft und dem großflächigen Einsatz von Pestiziden, wird ihnen einen Teil ihrer Nahrungsgrundlage genommen, sodass sie notgedrungen auf Feldfrüchte und Saatgut ausweichen müssen.

In Städten sind die gefiederten Gesellen unbeliebt, da es im Umkreis ihrer Brutkolonien und Schlafplätze zu starken Verkotungen von Gehwegen und parkenden Autos kommen kann. Außerdem fühlen sich viele Menschen durch die typischen Lautäußerungen gestört, die besonders in den frühen Morgenstunden und am Abend zu hören sind. [4] Vor allem in der Nähe von Schulen und Krankenhäusern kann das zum Problem werden.

Die Saatkrähe ist durch die EG- Vogelschutzrichtlinie und das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) besonders geschützt. Nach dem § 44 Abs. 1 des Bundesnaturschutzgesetzes ist es sowohl verboten, die Vögel selbst zu stören oder zu bejagen, als auch ihre Nester zu zerstören oder zu entfernen. Nur mit Ausnahmegenehmigungen der zuständigen Naturschutzbehörde dürfen im berechtigten Einzelfall Maßnahmen gegen die Saatkrähe ausgeführt werden.

Von einigen Kommunen, in denen besonders viele Krähen leben, wurden verschiedene Maßnahmen zur Vergrämung getestet. Oftmals ist der Erfolg nur von kurzer Dauer. Denn wenn beispielsweise eine Kolonie gestört wird, kommt es häufig zu einer Aufsplitterung in Teilkolonien, was zu einer Vervielfältigung der Probleme führt.

Die Stadt Lahr beschäftigt sich schon seit einigen Jahren mit dieser Problematik und hat damit begonnen, eine neue Lösungsmöglichkeit zu erproben, bei der die Saatkrähen durch eine Kombination von Störung und Anlockung an weniger problematische Standorte gelenkt werden sollen. So soll den Interessen von Mensch und Tier gerecht werden.

Wichtig ist es vor allem, den Vögeln die Lebensräume in den Außenbereichen von Siedlungen wieder attraktiver zu machen. Genügend geeignete Brutbäume in der freien Landschaft, die Erhaltung von Grünland und der Schutz vor Verfolgung, können dazu beitragen zu verhindern, dass die Krähen vermehrt in Städte und Ortschaften getrieben werden.

 

 

© 2018 Professur für Wildtierökologie und Wildtiermanagement, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i.Br.

www.wildlife.uni-freiburg.de

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